Americanah - Chimamanda Ngozi Adichie
Ich bin durch Zufall auf diese junge nigerianische Autorin gestoßen. Es gibt einen großartigen Vortrag von ihr über "Die Gefahr der einen einzigen Geschichte". Ja, es ist eine Gefahr, wenn wir hier immer nur die Geschichte der armen, unterdrückten, unterernährten afrikanischen Gesellschaft hören, lesen, sehen. Wann gibt es hierzulande schon einmal Filme, die in Nigeria, Südafrika oder Kamerun spielen, ohne dass es um NGOs und Schulen oder Krankenhäuser geht? Dabei gibt es genügend Geschichten in diesen Ländern. Sie werden nur viel zu selten erzählt, weil wir die Menschen nicht zu Wort kommen lassen.
Diese Lücke versucht Frau Adichie einwenig zu füllen mit ihren Romanen.
"Americanah" ist die Geschichte von Ifemelu und Obinze, die in Nigeria aufwachsen, zur Schule gehen, beginnen zu studieren und sich ineinander verlieben.
Während des Studiums kommt es zu Unruhen, Professoren erhalten keine Gehälter mehr, an den Unis wird gestreikt. Es ist kein Ende absehbar. Immer mehr Freunde verlassen das Land, um ihre Zukunft in Amerika oder England zu suchen, weil sie in Nigeria keine Zukunft sehen.
Ifemelu hat die Chance, zu ihrer Auntie Uju nach Amerika zu gehen. Es ist ein langer Weg von Babysitting und Gelegenheitsjobs bis zu einem Stipendium an der Uni in Princetown. Ifemelu beginnt einen Blog zu schreiben über "Non American Blacks" und "American Blacks". Sie sagt: "Ich bin erst Schwarze geworden, als ich hier in den USA ankam". Die Blogeinträge werden immer wieder in die Kapitel eingeflochten: Es geht um alltäglichen Rassismus, culture clash, Haarstyles, Make-up, ja sogar um unterschiedliche Ansichten zur Erziehung.
Ifemelu lernt viele Menschen kennen und ist eine Weile mit einem weißen Mann zusammen, später mit einem "American Black". Ifemelu schafft es nicht, den Kontakt zu Obinze aufrecht zu erhalten.
In der Zwischenzeit reist Obinze nach Großbritannien aus, darf aber aufgrund fehlender Visa nicht bleiben und muss nach einigen Monaten zurück nach Nigeria - er wird abgeschoben. Dort heiratet er und steigt in die Immobilienbranche ein. Er kommt in kurzer Zeit zu ansehnlichen Reichtum.
Ob die beiden sich wieder treffen? Das musst du schon selbst lesen!
Das Buch ist gut geschrieben, man möchte wissen, wie es nun weiter geht. Die vielen afrikanischen Geschichten, die eingewoben sind, ergeben ein buntes, völlig anderes Bild von Nigeria, aber auch von England und Amerika, als ich es zuvor im Kopf hatte. Auch wenn manche Begegnung etwas konstruiert wirkt, finde ich das Gesamtkunstwerk sehr gelungen. Frau Adichie entfaltet ein beeindruckendes Panoptikum auf den fast 500 Seiten. Ich fühle mich durch dieses Buch bereichert.
Während des Lesens habe ich mir ua. die homepages der Unis aufgerufen, die Obinze und Ifemelu in Nigeria besuchen. Die Seiten quellen über vor Forschungsarbeiten, und das in ganz verschiedenen, für das Leben der Nigerianer relevanten Bereiche. Mein Bild von den armen Afrikanern, die unsere Hilfe brauchen, ist ziemlich zurecht gerückt worden. Mir ist klar geworden, dass ich Menschen aus Afrika in meinem Kopf unbewusst herabgesetzt habe, was letztlich Rassismus ist. Obwohl ich dies sicher nicht intendiert habe. Es wird hoffentlich einen Unterschied in meinen zukünftigen Begegnungen machen.
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